[Bericht] Air Defender 2023 – Standort Wunstorf / ETNW

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[Bericht] Air Defender 2023 – Standort Wunstorf / ETNW

Beitrag von Uwe » Sa 17. Jun 2023, 18:53

von Uwe Bethke
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Unter der Bezeichnung "Air Defender 2023" findet im Juni 2023 die nach Bundeswehrangaben die größte Verlegeübung von Luftstreitkräften seit Bestehen der NATO statt. Vom 12. bis 23. Juni trainieren bis zu 10.000 Übungsteilnehmer aus 25 Nationen mit bis zu 250 Luftfahrzeugen unter der Führung der Luftwaffe Luftoperationen im europäischen Luftraum.

Die beteiligten Flugzeuge operieren schwerpunktmäßig von den Standorten Hohn und Jagel (Schleswig-Holstein), Lechfeld (Bayern) und Wunstorf (Niedersachsen) aus. Wunstorf bildet dabei das logistische Zentrum für die eingesetzten Luftstreitkräfte, während die anderen Standorte als Basen für die Kampfflugzeuge dienen. Neben dem Transport von Soldaten, Ausrüstung, Ersatzteilen und sonstigen Material werden in Wunstorf auch die "fliegenden Tankstellen" für die Luftbetankung der Kampfflugzeuge im Manövergebiet versorgt. Dafür wurde dort nach Bundeswehrangaben das größte mobile Kraftstofflager in der deutschen Geschichte errichtet, das eine Lagerkapazität von 2,4 Millionen Liter Treibstoff hat. Für den Übungszeitraum geht man von einem Bedarf von bis zu 500.000 Litern Kerosin täglich aus.

Neben den Transportmaschinen des Lufttransportgeschwaders LTG 62, das in Wunstorf mit ihren Airbus A400M beheimatet ist, kommen während der Übung auch Maschinen der amerikanischen und rumänischen Luftwaffe von dort aus zum Einsatz. Bei dem amerikanischen Kontingent handelt es sich um Einheiten der Air National Guard (ANG), der Nationalgarde der USA. Diese Reserve der amerikanischen Streitkräfte sind den jeweiligen Gouverneuren der amerikanischen Bundesstaaten unterstellt. In Wunstorf sind während der Übung Lockheed C-130 Hercules der ANG stationiert. Bei den rumänischen Luftstreitkräften kommt die zweimotorige Alenia C-27J zum Einsatz.

Natürlich lag der Gedanke nahe, sich die Gelegenheit nicht nehmen zu lassen, die Transportmaschinen beim Einsatz zu beobachten und – selbstverständlich – zu fotografieren.

Am zweiten der Übung ging es morgens nach Wunstorf. Ziel war die Westseite der Startbahn 26/08, von wo aus man die Maschinen bei dem vorherrschenden Ostwind auf die Bahn aufrollen und später im Landeanflug gut sehen kann. Gegen 9 Uhr waren schon einige Spotter vor Ort und hatten ihre Leitern vor dem Zaun aufgebaut. Auch ein Nachrichtensender interessierte sich für das Treiben am Zaun:

17:30 SAT.1 REGIONAL: Luftwaffenmanöver "Air Defender 2023" lockt Planespotter nach Wunstorf

Die Situation vor Ort war entspannt. Es war genug Platz für alle da. Das Befahren des kleinen Feldweges und das Abstellen der Fahrzeuge auf einer kleinen Wiese direkt am Zaun wird von der Polizei toleriert, die stetige Präsenz zeigt. Gelegentlich kommen auch die Feldjäger vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Netter Service der Bundeswehr: Ein Spotterbeauftragter schaut regelmäßig vorbei und verteilt Aufkleber und Poster. Die Patches für 10,- € waren allerdings so schnell vergriffen, dass es am Dienstag keine mehr gab. Alles in allem ist es aber ein perfekter Rahmen für Spotter und andere "Zaungäste".
Und ob es sich gelohnt hat? Seht selbst …

Als wir ankamen, waren die ersten Maschinen schon unterwegs, aber es ging kontinuierlich weiter.

Lockheed C-130H Hercules, 95-1001, U. S. Air Force, Minnesota ANG
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Aus welchem Bundesstaat der USA die jeweiligen Maschinen kommen, ist recht eindeutig zu sehen
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Als Nächstes rollte ein Airbus A400M des LTG 62 an, 54+24.
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Der Airbus A400M Atlasist die jüngste Entwicklung eines Militärtransporters innerhalb der europäischen NATO-Staaten. Der A400, der in Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien entstand und von Airbus gebaut wird, hatte 2009 seinen Erstflug und wurde 2013 in Dienst gestellt.
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Hier kann man die Betankungsanlage für die Luftbetankung unter der Tragfläche gut erkennen
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Eine weitere Lockheed C-130H, hier von der Nevada ANG "High Rollers", 92-0553, ...
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... gefolgt von einer Lockheed Hercules, diesmal jedoch eine C-130H mit Vierblattpropeller. Die 91-1237 gehört zur Delaware ANG "The First State".
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Die Entwicklung der Lockhheed C-130 geht auf die 50er Jahre zurück. Im August 1954 hatte der Prototyp seinen Erstflug, im Dezember 1956 wurden die ersten Maschinen an die Truppe ausgeliefert. Die Hercules wurde in den Folgejahren ständig modernisiert. Die Version "H" hatte ihren Erstflug bereits 1964 und wurde stetig weiterentwickelt. Diese Maschinen waren ursprünglich mit Vierblattpropeller ausgerüstet. Die aktuelle Version ist die C-130J, die ab 1998 ausgeliefert wurde. Äußerlich kaum verändert zur Vorgängerversion, erhielt sie jedoch leistungsstärkere Triebwerke mit Sechsblattpropellern und eine moderne Avionik. Mit der C-130J-30 entstand zusätzlich eine um 5 Meter verlängerte Version. Im Rahmen eines Modernisierungsprogramms wurden auch ältere H-Versionen den J-Versionen von der Avionik angeglichen und zum Teil mit Sechsblattpropellern ausgestattet.

Hercules C-130H, 93-1562, Georgia ANG "Savannah"
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Die rumänische Luftwaffe war mit einer Alenia C-27J Spartan Alenia C-27J Spartan vertreten, taktische Nummer 2705. Diese scherzhaft auch als "Baby-Herc" bezeichnete Maschine basierte auf der Zelle der italienischen Aeritalia G.222 und den Triebwerken und Avionik-Systemen der größeren Lockheed C-130J Hercules. Die rumänische Luftwaffe betreibt sieben Maschinen des italienischen Herstellers.
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In gemischter Reihenfolge ging es weiter:
Airbus A400M, 54+39
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Lockheed C-130H, 92-1533, Wyoming ANG und im Hintergrund ...
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... die Lockheed C-130H, 90-1798, Missouri ANG "St. Joseph".
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Dann wurde es ruhig auf dem Platz. Der Start einer A400M wurde aber noch sehnlichst erwartet. Die 54+21 erhielt für die Übung eine Sonderlackierung, bzw. genauer gesagt, sie wurde extra mit Air-Defender-Motiven foliert. Eines der großen, optischen Highlights dieser Übung. Man konnte sie auf dem Vorfeld gut erkennen. Nach einiger Zeit tat sich dann auch etwas. Die Triebwerke wurden angeworfen und liefen und liefen und liefen, aber nichts rollte. Eine echte Geduldsprobe, die jäh mit dem Abstellen der Triebwerke endete. Die 54+21 ging an diesem Tag nicht raus und es macht sich dann doch ein wenig Enttäuschung breit.

Die war aber schnell verflogen, als die ersten Maschinen zurückkamen.
Den Anfang machte dieser Airbus A400M, 54+24.
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Ein paar weitere Impressionen vom Nachmittag. Dazu muss man sich das sonore, erst langsam und dann immer schneller auf sich zukommende Brummen von vier Turboproptriebwerken vorstellen.

Lockheed C-130H, 91-1237, Delaware ANG "The First State".
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Airbus A400M, 54+06. Sie hat keine Betankungspods unter den Tragflächen.
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Alenia C-27J Spartan, 2705.
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Airbus A400M, 54+39,
Viele der zurückkehrenden Maschinen überflogen den Platz noch einmal vor der Landung. Sehr zur Freude der Spotter am Zaun.
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Lockheed C-130H, 92-1533, Wyoming ANG
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Überflug und Anflug der Lockheed C-130H, 90-1798, Missouri ANG "St. Joseph"
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Zwischendrin gingen aber auch noch Maschinen raus: Airbus A400M, 54+34.
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Lockheed C-130H Hercules, 95-1001, Minnesota ANG
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Ein kleines Highlight des Tages: Die verlängerte Version der Hercules, eine C-130J-30, 97-5904, Texas ANG.
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Und zum Schluss des Tages kam auch die Lockheed C-130H, 92-0553, Nevada ANG "High Rollers", rein.
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Bis auf den "bunten" A400M war dies ein durchaus erfolgreicher Spottertag, aber irgendwie wurmte es doch, die 54+21 nicht in der Sammlung zu haben.

Zwei Tage später: Spotter Day in Bückeburg im Vorfeld des Tages der Bundeswehr am Wochenende. Das ist eine eigene Geschichte, aber die gleiche Richtung wie Wunstorf. Also wurde auf dem Rückweg ein kleiner Abstecher dorthin gemacht. Und - Bingo! Kurz nach der Ankunft ein Blick auf den Flight-Tracker und - tatsächlich, die die 54+21 war im Anflug aus dem Süden auf Wunstorf! Das Wolkenloch sollte eigentlich noch reichen für ein paar schöne Sonnenbilder bei der Landung, bis - ja bis die Maschine vor Wunstorf einen Haken nach Osten schlägt. Bange Minuten vergehen. Sollte sie etwa von Osten anfliegen und der eigene Standort dann leider völlig ungeeignet sein für ein paar Fotos? Dann die Erleichterung - sie dreht noch einmal ein und kommt von Westen, die Wolken allerdings von Norden und die waren leider etwas schneller ...

Aber, kurz danach waren die Bilder von der 54+21 im Kasten! Und wie ein bekannter Spotterkollege zu sagen pflegt: Haben ist besser als Brauchen.
Man beachte die unterschiedliche Folierung des Seitenleitwerks links und rechts.
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Übrigens: Die Übung geht noch bis zum 23.06.2023. Es besteht also noch die Chance, die "großen Brummer" live in Wunstorf zu erleben!

Zusammenfassung der abgebildeten Flugzeuge

Lockheed C-130H/J Hercules
95-1001
91-1237
92-0553
93-1562
92-1533
90-1798
97-5904

Airbus A400M Atlas
54+24
54+39
54+06
54+34
54+21

Alenia C-27J Spartan
2705



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Gruß Uwe :hi:


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