[Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode - Spotlights

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Uwe
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[Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode - Spotlights

Beitrag von Uwe » Mo 27. Dez 2021, 14:32

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"Nose Art" einer im Museum ausgestellten North-American F-86 Sabre

Anfang November stand ein Besuch des Luftfahrtmuseums in Wernigerode an. Das Museum ist immer eine Reise wert, ist es doch eines der bedeutendsten Luftfahrtmuseen im Norden der Republik. Über die ausgestellten Flugzeuge wurde hier im Forum schon mehrfach berichtet (siehe LCBS-Magazin), deshalb entstand die Idee, die Ausstellung mal aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen.
Wenn in der dunklen Jahreszeit eine angenehme Ruhe herrscht, das Tageslicht spärlicher in die Hallen dringt und nur die Deckenbeleuchtung matt die dichtgedrängten Exponate beleuchten, umgibt die Hallen fast schon etwas Magisches. Dieser Stimmung folgend, sollten auch meine Bilder einen Teil dieser Magie einfangen.
Geeignet schienen mir dafür zwei Themenbereiche, die mich fotografisch immer wieder in ihren Bann ziehen. Es ist zum einen die Faszination der Instrumente im Cockpit eines Flugzeugs, die Verbindung zwischen Mensch und Maschine, die als „Uhrenläden“ geradezu prädestiniert sind, den Blick darauf zu richten. Und es sind zum anderen die Triebwerke mit der Magie ihrer Mechanik, die uns die Technik nahebringt. Mit dieser Sicht auf die Ausstellungsstücke sind diese „Spotlights“ entstanden. Reduziert und konzentriert auf ein Objekt, einen Ausschnitt, stellen die Bilder keine Dokumentation im eigentlichen Sinne dar, sondern sind der Versuch, eine andere Facette eines Museumsbesuchs - im wahrsten Sinne des Wortes – zu beleuchten. Hier nun ein paar von meinen Eindrücken.


In den Flugzeugen des Ersten Weltkrieges waren die Instrumente noch übersichtlich: Hier kam der Pilot mit Chronometer, Kraftstoffdruckmesser, Drehzahlmesser und Höhenmesser aus (v. l. n. r.)
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Bei der CASA 1.131, dem spanischen Lizenzbau der Bücker Bü 131 Jungmann aus den 30er bis 50er Jahren, finden sich schon ein paar mehr Instrumente. Fahrtmesser und Kompass gehören zu dieser Zeit schon lange zum Standard. Interessant sind die Hinweise im Cockpit, quasi eine "Quick-Referenz" des Flugzeughandbuchs.
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Das Hauptinstrumentenbrett einer Messerschmitt Bf 109 G. Auch bei diesem berühmten deutschen Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg sind die Standardinstrumente dicht bei einander angeordnet ...
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... ebenso wie bei dem zweiten Standardjagdflugzeug der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, der Focke-Wulf Fw 190 A. Als wichtige Instrumente hatten mittlerweile der Wendezeiger und der künstliche Horizont Einzug in die Cockpits gehalten, meist in einem Instrument integriert.
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Ein Blick auf das Bedienpult der Motorensteuerung einer Antonov An-2.
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Etwas komplexer gestaltet sich die Mittelkonsole der Nord Noratlas.
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Noch ein Detailblick auf das Cockpit der Noratlas.
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Die Hauptinstrumente der ersten Jets unterschieden sich nicht wesentlich von denen ihrer propellergetriebenen Vorgänger, hier bei einer Hawker Hunter. Rechts erkennt man einen der ersten Radarbildschirme.
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Die wesentlichen Anzeigen der Republic F-84 Thunderstreak waren kompakt in einem Block angeordnet.
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Beim Cockpit der Blackburn Buccaneer S.2B erkennt man an der doppelten Auslegung der Triebwerksanzeigen im rechten Teil des Panels, dass sie von zwei Turbinen angetrieben wurde.
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Blick auf das Waffenpanel des Lockheed F-104 G Starfighters, unschwer an dem stilisierten Flugzeugumriss zu erkennen.
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Die Hauptinstrumente einer Mikojan-Gurewitsch MIG 21, dem wichtigsten Jagdflugzeug des Warschauer Paktes in den 50er bis 70er Jahren. Natürlich in Kyrillisch beschriftet.
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Mit steigender Komplexität der Systeme steigt auch die Komplexität der Anzeigen. Hier anschaulich an dem Cockpit eines Sikorsky CH-53 G demonstriert ...
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... oder dem Cockpit einer Breguet Atlantic.
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Gleiches gilt natürlich auch für die Entwicklung der Zivilflugzeuge, wie hier bei einer Swearingen Merlin IV A zu sehen.
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Im Gegensatz dazu die einfache, einsame Borduhr im Steuerhorn einer Transall C-160D.
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Mit der Dynamics F-16 Fighting Falcon kam Mitte der 70er Jahre eine neue Generation von Kampfflugzeugen auf, bei der man aber auch noch nicht auf die klassischen Rundinstrumente verzichtet hat.
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Bei den Triebwerken faszinieren Sternmotoren durch die Harmonie ihrer kreisförmig angeordneten Zylinder, wie hier bei dem Schwezow ASch 62, dessen Entwicklung auf das Jahr 1937 zurückgeht. Dieser luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor leistet 1.000 PS und hat einen Hubraum von 29,8 Litern. Bekannt ist er heute noch durch seine Verwendung in der Antonov An-2.
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Etwas später entstand der Schwezow ASch 82 T, dessen Entwicklung 1941 begann. Der luftgekühlter 14-Zylinder-Doppelsternmotor leistete in der Version "T" bis zu 1.900 PS (Startleistung), die er aus einem Hubraum von 41,2 Litern generierte. Zum Einsatz kam er u. a. in dem russischen Jagdflugzeug Lawotschkin LA-5. Ein chinesischer Lizenzbau des Triebwerks wurde für die Flugwerk FW 190 A verwendet, einem Nachbau des legendären deutschen Jagdflugzeugs Focke-Wulf Fw 190 A, da die Motorcharakteristik dem originalen BMW-801-Triebwerk sehr nahekommt. Die Detailansicht gibt einen Einblick in den Aufbau der Technik mit den Zylindern, Stößelstangen zur Steuerung der Ventile, dem Ventilgehäuse, der Zündanlage und der Benzinzufuhr (hoffe, es als Laie richtig wiedergegeben zu haben).
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Der Curtiss-Wright 1820-84 aus den 50er Jahren ist aus amerikanischer Produktion. Der luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor leistet 1.525 PS aus 29,9 Litern Hubraum. Zum Einsatz kam er u. a. in der Sikorsky H-34.
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Bei dem Elizalde (ENMA) Tigre IV aus den 40er Jahren handelt es sich um einen luftgekühlten 4-Zylinder-Reihenmotor mit einer Leistung von 125 bis 150 PS (je nach Variante) und einem Hubraum von 6,3 Litern. Die Zylinder sind hängend angebracht. Zum Einsatz kam dieser Motor aus spanischer Produktion u. a. bei der CASA 1.131, dem spanischen Lizenzbau der Bücker Bü131 Jungmann.
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Den gleichen Aufbau hat auch der Walter Minor 4-III aus den 40er Jahren, der in Tschechien produziert wurde. Ebenfalls ein luftgekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor mit hängenden Zylinder hatte er eine Leistung 105 PS bei einem Hubraum von 3,98 Litern. Allerdings verbergen sich die Zylinder hier hinter der Abdeckung des Auspuffsammlers. Eingesetzt wurde er u. a. bei der tschechischen Aero 145.
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Ebenfalls aus der Tschechoslowakei kommt der Avia/Walter M462 RF. Bei dem 9-Zylinder-Sternmotor handelt es sich um einen modifizierten Lizenzbau des sowjetischen Iwtschenko AI-14, der seit 1950 produziert wurde. Das 310 PS leistende Triebwerk wurde u. a. bei dem Agrar-Flugzeug Let Z-37 Čmelák (Hummel) eingebaut, von der ebenfalls ein Exemplar im Museum ausgestellt ist.
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1955 kam das Strahltriebwerk Turmanski RD-9B aus sowjetischer Produktion bei der MiG 19 zum Einsatz. Es lieferte mit Nachbrennern einen Schub von 31,87 kN.
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Zur gleichen Zeit entstand das Turboprop-Triebwerk Rolls-Royce Tyne, das bei der Transall C-160 und bei der Breguet Atlantic zum Einsatz kam. In der Version Mk.22 lieferte es eine Leistung von 4.226 kW.
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Detailansicht des Rolls-Royce/Snecma M45 aus dem Jahr 1970. Das Strahltriebwerk mit einer Leistung von 32,4 kN wurde für die VFW 614 entwickelt, deren letztes fliegendes Exemplar bis 2012 beim DLR in Braunschweig als Erprobungsträger ATTAS im Einsatz war.
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Zum Schluss noch ein Blick auf ein Strahltriebwerk, das ebenso legendär ist, wie die Maschinen, die es Antrieb. Das General Electric J79 aus den 50er Jahren trieb u. a. den Lockheed F-104 Starfighter und die McDonnell F-4 Phantom II an. Mit seiner Leistung 52,8 kN, mit eingeschaltetem Nachbrenner 79,6 kN, beschleunigte er diese Maschinen in den Bereich von Mach 2.
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Das soll es für diesmal gewesen sein. Wer mehr Lust auf Spotlights hat, findet weitere auf meiner Homepage:

Flugmotoren Spotlights

Cockpit Spotlights
Gruß Uwe :hi:


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Re: [Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode – Spotlights

Beitrag von Swen » Mo 27. Dez 2021, 19:32

Sehr sehr cool! Gefällt mir wirklich gut. Danke fürs teilen.
Technik die begeistert hat und heute noch begeistern kann in einem völlig neuen Licht.
Bis denn der Swen

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Re: [Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode - Spotlights

Beitrag von Karsten » Fr 31. Dez 2021, 17:55

Mal ganz andere Sichten und Ansichten :good:

Hattest du dazu einen speziellen Scheinwerfer aufbauen können oder müssen?

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Re: [Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode - Spotlights

Beitrag von Uwe » Fr 31. Dez 2021, 23:26

Karsten hat geschrieben: Fr 31. Dez 2021, 17:55 ...
Hattest du dazu einen speziellen Scheinwerfer aufbauen können oder müssen?
Nein, ganz normal fotogafiert, aber in der digitalen Dunkelkammer vignettiert und alles Störende schwarz maskiert. Dann noch etwas mit mit den Kontrasten und Farben gearbeitet. Also eine etwas aufwändigere Nachbearbeitung. 
Gruß Uwe :hi:


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Re: [Bericht] Luftfahrtmuseum Wernigerode - Spotlights

Beitrag von Uwe » Mo 4. Apr 2022, 16:16

Der Beitrag oben wurde mit weiteren Bildern aus Wernigerode ergänzt.
Gruß Uwe :hi:


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