[Bericht] Quax-Flieger: Stearman & Friends 2018

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Uwe
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[Bericht] Quax-Flieger: Stearman & Friends 2018

Beitrag von Uwe » So 22. Jul 2018, 15:45

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Vom 6.- 8. Juli versammelten sich die „Stearmänner“ in Bienenfarm und viele Freunde folgten ihrem Ruf zu einem tollen Fliegerwochenende auf dem idyllischen Flugplatz im Havelland.
Nachdem das Treffen im letzten Jahr zweimal buchstäblich ins Wasser gefallen war, erwartete diesmal schönstes Sommerwetter die Piloten und Besucher. Natürlich standen die Stearmans im Mittelpunkt des Fly-Ins, aber die Freunde machten aus dem Wochenende ein absolut sehenswertes Oldtimer-Treffen.
Am Samstag ging es morgens um halb acht in Richtung Osten, um noch vor Beginn des Flugbetriebs vor Ort zu sein und im weichen Licht der Morgensonne über den Platz zu streifen. Die Anfahrt über die A2 und A10 verlief ohne Probleme, Wagen direkt am Platz abgestellt, Kameratasche gepackt und los ging’s.
Auf dem Platz herrschte noch eine gewisse verschlafene Ruhe, auch die Maschinen schienen noch ein wenig vor sich hin zu schlummern an diesem schönen Sommermorgen. Doch auch wenn der Tag entspannt anfing, ließ er doch schon ahnen, dass er noch aufregend werden könnte.

Die Besucher wurden u. a. von diesen beiden PS-Boliden begrüßt. Während die North American AT-6 Texan durchaus häufiger auf Fly-Ins zu sehen ist, ist die Vultee BT-13 eine echte Rarität.
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North American AT-6 Texan - D-FPAE, Vultee BT-13 - N71502

Bei den Stearman & Friends 2018 hatte diese schöne BT-13 ihren ersten öffentlichen Auftritt in Deutschland. Die Maschine kam Anfang 2018 aus den USA nach Deutschland und wurde in Itzehoe fit gemacht.
Vom Bekanntheitsgrad steht die BT-13 sicher im Schatten der North American AT-6 Texan, obwohl von ihr zwischen 1939 und 1944 rund 11.500 Maschinen als Basic Trainer (BT) für das amerikanische Army Air Corps gebaut wurden. Sie wurde für den Ausbildungsabschnitt zwischen der Anfängerschulung (Primary Training - PT) und der Fortgeschrittenenschulung (Advanced Training - AT) eingesetzt, deren typische Schulmaschinen an diesem Wochenende auch in Gestalt der Boeing Stearman PT -17, Ryan PT-22 und der North American AT-6 vertreten waren. Angetrieben wird die BT-13 von einem Pratt & Whitney Sternmotor mit 450 PS (P&R R-985).

Das Pilotenbriefing für den Tag war um 10:00 Uhr angesetzt. Und bis die ersten Maschinen für ihre Flüge klar sein würden, würde es noch etwas dauern. Also war noch ein bisschen Zeit, sich umzuschauen. Einige Besucher, die bereits am Vortag angereist waren, haben im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte in Bienenfarm aufgeschlagen. Unter den Maschinen der Besucher fanden sich bereits die ersten Schmuckstücke aus der Schatztruhe der Traditionsflugzeuge.

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D-EMHG - Piper J3C 65 Baujahr 1944


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im Vordergrund D-ENLH Piper PA-18-95. Baujahr 1952


Die Great Lakes 2T-1A-1 hat nicht nur eine Geschichte, sondern drei: Das ursprüngliche Model 2-T-1 flog 1929 das erste Mal und war bei seinen Piloten äußert beliebt. Die Produktion endete 1933, als die Firma aufgrund der Wirtschaftskrise Pleite ging.
Von 1973 bis 1982 wurde die Maschine unter der Bezeichnung 2T-1A-1 wieder produziert, ebenso ab 2011. Allerdings erhielt sie standardmäßig anstelle des Cirrus-Motors nun Motoren von Lycoming.
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D-EGPW – Great Lakes 2T-1A-1


Die Ursprungsversion der zweisitzigen Klemm Kl 107 entstand bereits 1940. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie über die KL 107 B und Kl 107C (beides Dreisitzer) zur Kl 107-D Kl 107 D (Viersitzer) weiterentwickelt. Von der Klemm 107 wurden über alle Versionen nur 61 Maschinen gebaut, davon 6 im zweiten Weltkrieg. Von der Klemm 107 B wurden nur 26 und von 107C nur 29 Exemplare hergestellt.
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D-EJUK - Klemm 107B, D-ECAB – Klemm Kl 107C


Diese Focke-Wulf Fw 44J "Stieglitz" der Quax-Flieger ist eine von zweien, die der Verein betreibt. Diese ist Baujahr 1940
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D-EXWO – Focke Wulf Fw 44J Stieglitz


In der gleichen Zeit flog auch die Bücker Bü 131 Jungmann, bei diesem Exemplar handelt es sich allerdings um eine Replica aus dem Jahr 1998.
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OE-APY - Bücker Bü 131 Jungmann (Tatra T-131)


Vom Yak-Team Wümme: Yakovlev YAK-52
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SP-YNH - Yakovlev YAK-52


Die Yak 9 war das meistproduzierte Jagdflugzeug der sowjetischen Luftwaffe im zweiten Weltkrieg (über 16.000 Maschinen). Ab 1942 an die Frontverbände geliefert, endete ihr militärischer Einsatz im Korea-Krieg. Anfang der 90er Jahre begann die Firma Yakolev mit einer limitierten Fertigung von der Yak 9-U-M, eine Replica, die mit einem amerikanischen Allison V1710 ausgerüstet wurde.
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D-FIST - Yakovlev Yak-9U-M


Für Heli-Rundflüge stand dieser Agusta-Bell 47G-4A mit seiner charakteristischen "Fish-Bowl-Kabine" zur Verfügung
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D-HWAL - Agusta-Bell 47G-4A


Die Stearmans warteten derweil auch noch auf ihren großen Auftritt
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Die ersten Besucher des Tages belebten dann so langsam die Szene und die Betriebsamkeit auf dem Platz nahm zu. Zeit, sich ein „ruhiges“ Plätzchen zu suchen, um den Betrieb nicht zu stören. Denn kurze Zeit später erfüllte das Blubbern und Brummen der ersten Stearmans die Luft, im Wechsel mit dem eher feinen Schnurren der ein- und ausfliegenden „Friends“.


Eine Ausnahme davon bildete die Agusta-Bell 47, die den ganzen Tag unermüdlich ihre Gäste knatternd durch die Luft schaukelte.
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Noch eine YAK-52, SP-YDH
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Und noch eine echte Rarität, Culver Cadet LCA Baujahr 1940 (N24R)
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Auch "Miss Marple" war da: Piper PA-22-108 Colt, D-EDCB
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Zlin Z.526.S, D-EEED
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Von der Bölkow Bo 209 Monsun wurden zwischen 1969 und 1971 ca. 100 Maschinen gebaut.
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D-EAAM – Bölkow Bo 209 Monsun


Piper Formation
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D-EMAD – Piper PA19 Baujahr 1952, D-EAEB - Piper PA-18-95 Super Cub Baujahr 1952, D-EMMY - Piper PA-18-150 Super Cub


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D-EAEB - Piper PA-18-95 Super Cub Baujahr 1952, D-EMMY - Piper PA-18-150 Super Cub


Schöne blankgeputze Global Swift.1940 entworfen und ab 1946 in über 1.500 Exemplaren gebaut. Die Entwicklung basiert auf der Culver Cadet.
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N2451B - Global (Temco) GC-1B Swift


Trotz himmlischer Reg nicht vom Mars, sondern von der Erde, Platzer Kiebitz, D-MARS
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Pilatus P-3, F-AZQQ
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Und auch sie darf bei den Quaxen nicht fehlen: DeHavilland DHC-1 Chipmunk, D-EFOM
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Ein paar weitere Impressionen
(zum Vergrößern Bild anklicken)
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im Uhrzeigersinn: D-ESWP - Piper PA20 Pacer Baujahr 1953, D-ESMW - Piper PA-18-95 Super Cub Baujahr 1952, D-EROQ - Cessna 172 Baujahr 1959, N9JJ - Pitts S-1T, NC5896X – Luscombe 8E Baujahr 1946 , D-EBTA - Bölkow Bo 207, D-EJUK - Klemm 107B Baujahr 1958, D-EBAU - Taylorcraft F-19 Sportsman, D-EJNA - Bölkow Bo 208 Junior Baujahr 1965


Irgendwann wird es auch mal hektisch: Aufrollende, anfliegende, abrollende Maschinen in kurzer Taktung, teilweise parallel, dazu mittlerweile pralle Sonne mit bis zu 30° C im Schatten (zumindest gefühlt). Das sind die Momente, wo man es nicht bereut, zwei Kameras mit unterschiedlichen Objektiven, literweise Wasser und ein Pfund Sonnencreme mitgeschleppt zu haben – aber sich gelegentlich fragt, warum man sich das eigentlich antut. Zugegebener Maßen aber eine eher rhetorische Frage, wenn man sich das Ergebnis später anschaut.

Ein paar weitere Impressionen der vertretenen Cessnas ...
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(zum Vergrößern Bild anklicken)


... und Pipers.
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(zum Vergrößern Bild anklicken)


Und dann mischten sich auch die "Stars" der Veranstaltung verstärkt in das rege Treiben am Platz ein:

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Boeing Stearman - D-EMFL


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Boeing Stearman - N9051N


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Boeing Stearman - N67193


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Boeing Stearman - N746BJ


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Boeing Stearman - N75010


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Boeing Stearman - N9478H


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Boeing Stearman - N9478H


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Boeing Stearman - N9051N


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Boeing Stearman - N9051N


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Boeing Stearman - D-EQXL


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Boeing Stearman - D-EMFL


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Boeing Stearman - D-EQXL


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Boeing Stearman - D-EQXL


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Boeing Stearman - N9054H


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Boeing Stearman - N9054H


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Boeing Stearman - N3972U


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Boeing Stearman - N3972U


Ein paar "Special Guests" gabe sich auch die Ehre:

Die Antonov An-2 darf eigentlich auf keinem Fly-In fehlen, hier wat es die D-FJON:
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(zum Vergrößern Bild anklicken)


Auch erst vor kurzem wieder vom Boden abgehoben: Cessna L-19/O-1 Bird Dog, I-BDOG. Ihre Ankunft war durchaus spektakulär ...
Nach dem 2. Weltkrieg suchten die amerikanischen Streitkräfte nach einem neuen Verbindungs- und Aufklärungsflugzeug. Zu den Tragflächen der Cessna 170 und dem Leitwerk der Cessna 195 gesellte sich ein neuer Rumpf und so entstand in kurzer Zeit die Cessna L-19 (Liaison), die später die Typenbezeichnung O-1 (Observer) bekam. Mit ihrer Indienststellung 1950 nahm sie in verschiedenen Rollen sowohl am Korea- wie auch am Vietnamkrieg teil. Die I-BDOG trägt die Farben eines dieser Vietnam-Veteranen. Mehr zu der sehr interessanten Geschichte der I-BDOG: Klassiker der Luftfahrt: Restaurierung der Cessna O-1 Bird Dog
(zum Vergrößern Bild anklicken)
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Und das Kontrastprogramm zu dem samften Blubbern der "kleinen" Stearman-Sternmotoren: Die 450 PS der North American Texan AT-6 rockten den Himmel über Bienenfarm ...
North American AT-6 Texan - D-FPAE
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(zum Vergrößern Bild anklicken)


Der Tag näherte sich dem Ende. Noch einmal eine kleine "Platzrunde" in der Abendsonne.
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Cessna C-145 Airmaster: In den 30er und frühen 40er Jahren wurden, abgeleitet aus der Cessna C-34, 80 Maschinen der Cessna C-145 und C-165 gebaut, die bis auf die Motorisierung baugleich waren (145 PS / 165PS). Angetrieben wurden die Maschinen von Sternmotoren des Typs Warner Super Scarab mit unterschiedlicher Leistung. Die D-EUCP verließ 1939 die Werkhallen der Firma Cessna. Sie ist eine der ältesten Cessnas, die zur Zeit in Europa fliegen.
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D-EUCP – Cessna C-145 Airmaster Baujahr 1939


Waco YMF-5-C:Auch bei diesem Typ handelt es sich um einen Klassiker im neuen Gewand. In den 30er Jahren wurden verschiedene Versionen der „F-Serie“ gebaut. 1986 nahm die Waco Classic Aircraft die Produktion der YMF-5 auf, ein „modernes“ Redesign, das auf dem ursprünglichen Doppeldecker der 30er Jahre aufbaute.
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D-EWRP – Waco YMF-5-C


N46502 - Ryan PT-22 Recruit
Diese wunderschöne Ryan PT-22 repräsentiert die militärische Trainerversion der Ryan ST. Ab 1941 kamen sie beim amerikanischen Army Air Corps als Anfängertrainer (Primary Trainer) zum Einsatz. Es wurden ca. 1.000 Maschinen gebaut.
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N46502 - Ryan PT-22 Recruit


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N46502 - Ryan PT-22 Recruit


Die Focke-Wulf Fw 44J Stieglitz der Quax-Flieger, D-ENAY
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Die Vultee BT-13 ...
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... Blick ins Cockpit, bevor ...
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... sie die Moren anliess.
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Zum Schluß noch ein letzter Blick auf die Stearmans ...
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Wer sie live erlebt, kann sich der Faszination der „Old Flying Machines“ nicht entziehen, egal, ob sie gemütlich den Himmel durchkreuzen oder uns am Boden ihren Teil der Luftfahrtgeschichte erzählen. Bilder können sicherlich nur einen Teil dieser Faszination einfangen, aber vielleicht erahnen lassen, welcher besondere Reiz von solchen Fly-Ins ausgeht. Diesen Zweck haben sie hoffentlich erfüllt …

Nach round about 8 Stunden Hitze und hunderten von Fotos auf der Speicherkarte ging es dann abends wieder zurück in Richtung Heimat, mit dem guten Gefühl, wieder ein schönes Fly-In im „Kasten“ zu haben.

Den Organisatoren der Quaxe ein dickes Lob für eine gelungene Veranstaltung.

Neben den raren historischen Fliegern waren auch viele „Standard-Flieger“ von Besuchern vor Ort zu sehen, deren Vorstellung aber hier den Rahmen des Berichtes gesprengt hätte.


Diese und viele Bilder mehr von den Stearmans & Friends findet ihr auch auf meiner Homepage: Quax-Flieger: Stearman & Friends 2018


Hinweis: die Informationen zu den Maschinen wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, dennoch kann für die Korrektheit der Daten keine Gewähr übernommen werden.
Gruß Uwe :hi:


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Re: [Bericht] Quax-Flieger: Stearman & Friends 2018

Beitrag von Swen » So 22. Jul 2018, 16:33

Woooooooooooow. Wahnsinn! Wie viele Bilder und gerade bei dem Wetter! Ich hoffe gut geschützt vor der Sonne. Eine AN2 ist erst gestern über uns Zuhause hinweg geknattert. Das ist echt cool.
Bis denn der Swen

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Re: [Bericht] Quax-Flieger: Stearman & Friends 2018

Beitrag von Heino » So 22. Jul 2018, 22:16

Sehr schöner Bericht und so viele tolle Bilder! Vielen Dank dafür!
Horrido!

Heino

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