[Bericht] Die Shuttleworth Collection in Old Warden (UK) - Teil I

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[Bericht] Die Shuttleworth Collection in Old Warden (UK) - Teil I

Beitrag von Uwe » Mi 14. Mär 2018, 13:17

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Maintenace-Halle in Old Warden

Idyllisch auf dem Lande gelegen, in der Grafschaft Bedfordshire nördlich von London, befindet sich in Old Warden eine der wohl bedeutendsten Sammlungen historischer Flugzeuge vom Beginn der Fliegerei Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 40er Jahre hinein: Die Shuttleworth Collection. Was die Sammlung so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass sie sehr seltene Exponate enthält – einige sind die einzigen Exemplare weltweit - und dass alle von ihnen flugfähig sind. Regelmäßig ziehen sie im Sommer einmal im Monat ihre Kreise am Himmel über Old Warden oder sind auf eine der vielen Airshows im Land unterwegs.

Richard Ormond Shuttleworth, geboren 1909, war begeisterter Rennfahrer und Pilot. Galt seine Leidenschaft zuerst den Sportwagen, widmete er sich nach einem schweren Unfall während eines Rennens in Südafrika 1936 verstärkt der Fliegerei. Anfang der 30er Jahre begann er mit der Sammlung historischer Fahrzeuge und später auch Flugzeuge, die den Grundstock der heutigen Sammlung bilden. Zu Kriegsbeginn 1939 trat er der Royal Air Force bei. Richard Shuttleworth kam 1940 ums Leben, als seine Fairey Battle bei einem nächtlichen Übungsflug an einem Berg zerschellte.
Seine Mutter gründete 1944 zum Gedenken an den Sohn den Richard Ormonde Shuttleworth Remembrance Trust, dessen Aufgabe u. a. auch heute noch die Restaurierung und Erhaltung von historischen Fahrzeugen und Flugzeugen ist. Ergänzt wird die Sammlung des Trusts durch historische Flugzeuge von privaten Besitzern, die ihre Oldtimer-Schätze in Old Warden zusammen mit den anderen Maschinen ausstellen und gemeinsam an den Veranstaltungen teilnehmen.
Die Maschinen sind in mehreren Hangars untergebracht, an denen eine kleine Werkstatt angeschlossen ist. Auch wenn sie sicherlich in ihrem Element, der Luft, noch beeindruckender sind, verspürt man beim Gang durch die Hallen schon ein wenig den Hauch einer vergangenen Zeit, in der die Fliegerei den Kinderschuhen entwuchs, aber auch ihre Unschuld verlor.

Wenn ihr Lust habt, folgt mir auf meinem kleinen Rundgang durch die Shuttleworth Collection, die ich 2017 besucht habe.
Im Teil I bewegen wir uns in der Zeit von 1909 bis 1920.
Die Jahreszahlen beziehen sich in der Regel auf das Baujahr des jeweiligen Exponats.


Blériot XI 1909
Dies war das erste historische Flugzeug, das Schuttleworth für seine Sammlung erworben hat (1935). Louis Blériot überquerte 1909 mit seiner Blériot XI als erster Mensch den Ärmelkanal in einem Flugzeug, damals eine unglaubliche Leistung und Sensation. Für die 35 Kilometer zwischen Calais und Dover benötigte er 37 Minuten, die ihm das Preisgeld der Daily Mail in Höhe von 1.000 Pfund Sterling (umrechnet heute etwa 100.000 €) einbrachten. Nach diesem Erfolg gingen zahlreiche Bestellungen für seine Maschine ein, von denen mehr als 800 Stück gebaut wurden. Es war der Startschuss zur Eroberung des Himmels in Europa.
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Der Dreizylinder-Anzani-Motor in Halbsternbauweise hatte eine Leistung von 25 PS. Technik pur und übersichtlich. Die alten Maschinen gewähren viel Einblick in ihre Technik, reizvoll sie auch fotografisch in Szene zu setzen.
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Wer meint, die nächsten beiden Maschinen schon mal irgendwo gesehen zu haben, hat wahrscheinlich den Film “Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten” gesehen.

Avro Triplane 1910 (Replica). Mit ihr war der Bösewicht Sir Percy im Film unterwegs. Original wurden nur 10 Exemplare in unterschiedlichen Ausführungen gebaut, dieser Nachbau entspricht der Version No. 4.
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Vierzylinder Cirrus Hermes
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Blick ins "Cockpit".
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Bristol Boxkite 1910 (Replica). Der Film-Amerikaner Orville Newton nahm mit ihr am Rennen teil. Obwohl die Boxkite sehr zerbrechlich wirkt, war sie ein erfolgreicher Entwurf, der in 76 Exemplaren gebaut wurde.
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Deperdussin 1910
Aus französischer Produktion, flog sie bereits 1910 auf dem Flugfeld von Hendon. Sie kam 1937 in die Sammlung nach Old Warden und ist heute das einzige flugfähige Exemplar dieses Eindeckers.
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Geht es noch spartanischer in einem Cockpit ...?
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Blackburn Monoplane Type D 1912
Ebenfalls 1937 erworben, ist der Blackburn Monoplane das älteste flugfähige Luftfahrzeug aus britischer Produktion weltweit. Es wurde nur dieses eine Exemplar gebaut.
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Im Hintergrund, passend zur Zeit, einer der automobilen Oldtimer, ein de Dietrich SM aus dem Jahr 1903.
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Der Siebenzylinder-Gnôme-7-Omega-Rotationsmotor des Monoplane leistet 50 PS.
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Royal Aircraft Factory B.E.2c 1914
Leichter Bomber und Aufklärer aus dem ersten Kriegsjahr 1914.
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Luftgekühlter Achtzylinder R.A.F. V8-Motor
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Sopwith Pup 1916
Der kleine, wendige Jäger kam Anfang 1916 zu den Frontverbänden. Diese Pup wurde 1919 als Zweisitzer umgebaut (Dove), 1938 wieder zur “Pup” gemacht und ist seit dem Bestandteil der Sammlung.
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Klassische Anordnung des Bord-MG direkt vor dem Cockpit
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Sopwith Triplane 1916 (Replica)
Legendärer Dreidecker, der durch seine Wendigkeit besticht. Er soll Vorlage für den deutschen Dreidecker Fokker Dr. I gewesen sein, dem das deutsche Jagdflieger-Ass Baron Manfred von Richthofen als roter Baron ebenfalls zu legendären Ruhm verholfen hat.
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Der Clerget-9b- Rotationsmotor der Triplane leistet 130 PS
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Bristol F.2b 1917
Als Aufklärer konzipiert, wurde die F.2b erfolgreich als Jäger eingesetzt, obwohl sie auch dort als Zweisitzer geflogen wurde.
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Der hintere Stand der F.2b war mit zwei MG bestückt.
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Bristol M1C 1917 (Replica)
Die M1C war ein leistungsfähiges Jagdflugzeug, aerodynamisch sauber, wendig und schnell, allerdings als Eindecker zum falschen Zeitpunkt entworfen. Das Militär gab den Doppeldeckerkonfigurationen den Vorzug. Deswegen und auch wegen ihrer hohen Landegeschwindigkeit kam sie nicht zum Einsatz.
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Royal Aircraft Factory S.E.5a 1917
Einer der bekanntesten Jäger der Briten im 1. Weltkrieg. Während meines Besuchs wurden gerade Motorentestläufe durchgeführt, so dass die Maschine vor der Halle zu sehen war. Weitere Infos zur S.E. 5 und Bilder von den Testläufen könnt ihr hier finden: Flying Legends: Royal Aircraft Factory S.E.5a.
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Sopwith Camel 1917 (Replica)
Obwohl sie nicht leicht zu fliegen war, wurde die Camel einer der erfolgreichsten Jagdflugzeuge der Briten. Der Bau der Replica begann 1995, wurde aber erst 2016 abgeschlossen, der Jungfernflug fand am 18.05.2017 statt.
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Avro 504K 1918
Der Dauerbrenner der britischen Kampfflugzeuge im 1. Weltkrieg. Die erste Avro 504 flog bereits 1913. Zu Beginn des Krieges wurden sie als Aufklärer und leichte Bomber eingesetzt. Nachdem sie nicht mehr fronttauglich waren, kamen sie als Schulflugzeuge des Royal Flying Corps (RFC) zum Einsatz. Anfang 1918 kam dann die Version "K" wieder zu den Einsatzverbänden, aber diesmal über dem britischen Heimatland zur Abwehr der deutschen Zeppelin-Angriffe. Über 10.000 Maschinen wurden gebaut.
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Sopwith Snipe 1918
Als Nachfolger der Sopwith Camel kam die Snipe Mitte 1918 zu den Frontverbänden. Sie galt als bester britischer Jäger, wurde aber aufgrund des Kriegsendes nur in etwa 500 Exemplaren gebaut. Weitere Informationen und Bilder zur Snipe könnt ihr hier finden: Flying Legends: Sopwith Snipe
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Fahrtmesser und Bewaffnung der Snipe.
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Ihr Bentley-BR-2-Rotationsmotor leistete zwischen 230 und 250 PS.
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Sopwith Dove 1920 (Replica)
Zweisitzige, zivile Version der Spowith Pup. Zehn Stück wurden nach dem 1. Weltkrieg gebaut. Sie befindet sich in Privatbesitz.
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Le-Rhône-Rotationsmotor mit 80 PS
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Hier endet Teil I des Rundgangs. Teil II gibt einen Einblick in die Zeit zwischen den Kriegen und den Aufbruch in den nächsten Konflikt.


Zu Teil II im LCBS-Magazin: Die Shuttleworth Collection in Old Warden - Teil II
Gruß Uwe :hi:


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Re: [Bericht] Die Shuttleworth Collection in Old Warden (UK) - Teil I

Beitrag von Swen » Mi 14. Mär 2018, 15:38

Wahnsinn... Das sind wirklich tolle Flieger. Sehen super erhalten aus. Oder Super Fotos. ;)
Bis denn der Swen

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Re: [Bericht] Die Shuttleworth Collection in Old Warden (UK) - Teil I

Beitrag von Uwe » Mi 14. Mär 2018, 16:22

Danke Swen, da brauchte man mit den Fotos nicht nachhelfen, die Dinger werden ja für ihre "Luftnummern" im Sommer immer schön rausgeputzt ... ;)
Gruß Uwe :hi:


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