[Bericht] Quax-Ausmotten 2022 in Bienenfarm

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[Bericht] Quax-Ausmotten 2022 in Bienenfarm

Beitrag von Uwe » Di 3. Mai 2022, 15:40

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Saisonstart bei den Quaxfliegern und Auftakt zu unseren diesjährigen Spottertouren! Traditionell findet in der Woche nach Ostern das Ausmotten der Quaxflieger in Bienenfarm im schönen Havelland statt. Es ist die Zeit, in der die Piloten und die Maschinen für die kommende Saison fit gemacht werden. Fast schon ebenso traditionell ist unser Besuch der Bienenfarm zum Ende der Woche, wenn oft auch viel andere, fliegende Gäste zu einer Stippvisite vorbeischauen.

So sind wir auch in diesem Jahr wieder zu zweit in Richtung Osten unterwegs gewesen. Am Samstag, um 7:30 Uhr, waren Kamerataschen, Sonnencreme, Wasser und ein zweites Frühstück verstaut und es ging los, über die A2 der aufgehenden Sonne entgegen. Denn der Wettergott meinte es gut mit uns und schob für einen Tag die Wolken am Himmel beiseite (meistens jedenfalls). Und hätte er den Wind noch von Westen anstatt von Osten pusten lassen, wären die Rahmenbedingungen perfekt gewesen. Nach zwei Stunden waren wir am Platz und konnten noch etwas von dem schönen Licht der weichen Morgensonne mitnehmen. Da um diese Zeit noch nicht viel Flugbetrieb herrschte, drehten wir eine Platzrunde am Boden.

Fangen wir mit dieser schönen Stampe SV4 an. Stampe SV4? Irgendetwas passt hier aber nicht. Die beiden Zylinderköpfe eines Rotax-Motors, die aus der Abdeckung herausschauen und die Zulassung als Ultraleichtflieger geben den Hinweis, dass es sich hier um einen modernen Nachbau des belgischen Doppeldeckers handelt. Die Firma Ultralight Concept bringt diese Maschine in Anlehnung an ihr historisches Vorbild als SV4-RS auf den Markt. Zu sehen ist hier die D-MNLP, die man auf den ersten Blick glatt mit der originalen Stampe der Quaxflieger (D-EQXB) verwechseln könnte.
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Unser frühes Erscheinen hat sich an diesem Morgen ausgezahlt, denn nur kurze Zeit später machte sich die "Stampe" auf den Weg.
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Weiter ging es mit der Runde.

Die Mooney galt ja schon in ihren frühen Jahren als "Sportwagen der Lüfte". Diese dürfte ihrem Ruf erst recht gerecht werden. Mit einem vom Porsche 911 abgeleiteten Flugmotor PFM 3200 N03 entstanden Ende der 80er Jahre insgesamt 40 Maschinen vom Typ Mooney M20 L. Das Triebwerk liefert max. 162 kW (217 PS) Leistung und verhilft der Maschine zu einer maximalen Geschwindigkeit von ca. 322 km/h (174 kts). Mit Stand 2020 sollen noch ca. 20 Maschinen fliegen (siehe auch: auto, motor, sport: Der Elfer der Lüfte und Porsche Aviation). Der durch den Motor verlängerte Bug und die feine Lackierung verleihen der hier gezeigten N141MP ein sehr elegantes Aussehen.
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Durchaus auch elegant, aber mit festem Fahrwerk: Socata TB-10 Tobago, D-EGKJ.
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Ohne Ecken und Kanten: eine seltene Meyers (Aero Commander) 200D, Baujahr 1966. Bei der D-ECDW handelt es sich nach Angaben des Vereins um die einzig fliegende Maschine diesen Typs in Europa.
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Auch ein echter Klassiker, obwohl das Design immer noch zeitlos modern wirkt. Die Beechcraft Modell 35 Bonanza wurde das erste Mal 1947 ausgeliefert. So ungewöhnlich wie charakteristisch für die Bonanzas der ersten Generationen war das V-Leitwerk. Später gab es weitere Versionen mit einem konventionellen Leitwerk, also separatem Höhen- und Seitenleitwerk. Über 17.000 Exemplare aller Versionen haben die Beechcraft-Werke im Laufe der Zeit verlassen. Kein Wunder, dass wir Laufe des Berichts noch die ein oder andere Beech sehen werden. Die D-EQAS hier ist eine Beech V35 Bonanza und stammt aus dem Jahr 1967.
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Mit ihrer ungewöhnlich farbenfrohen Lackierung ist die „Piggi“ der Quaxe (D-EHVR) jedes Mal ein Hingucker. Viele der von Focke-Wulf in Bremen in Lizenz gebauten, noch fliegenden Piaggio FWP.149D tragen noch ihre „Uniform“ aus Bundeswehrzeiten
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Lovely Piper Super Cub: klein, zierlich, zuverlässig und immer wieder schön anzuschauen. Die Piper PA-18 Super Cub D-EKAY ist in Bienenfarm beheimatet.
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Die de Havilland DHC 1 Chipmunk genießt in der Morgensonne die Ruhe vor dem Sturm. Als Standard-Spornradtrainer der Quaxe ist sie während des Ausmottens gut frequentiert, so auch an diesem Samstag. Die D-EFOM, Baujahr 1949, wird von einem 6-Zylinder Franklin Boxermotor angetrieben, der eine Leistung von 235 PS erzeugt und eine Fluggeschwindigkeit bis zu 220 km/h ermöglicht.
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Und noch eine Piper PA-18 Super Cub. Die D-ESMW ist Baujahr 1952 …
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… und hier das Motiv für mein Lieblingsbild des Tages. Für mich gefühlt, als ob hier in diesem Moment die ganze Welt für einen kleinen Augenblick ganz friedlich in sich ruht.
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Dann kam langsam Leben auf dem Platz. Die dritte Super Cub im Bunde, die D-EKQF, rollte zum Start. Ein nettes "Thumb up" ...
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... und ein freundliches Winken begleiteten den Abflug.
Und hier ahnt man schon das (fotografische) Problem bei Ostwind: Die kleinen Flieger sind nach dem Start schon recht hoch, wenn sie auf Höhe der Hangars sind und man sieht hauptsächlich die doch eher weniger attraktive Unterseite der Flugzeuge.
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"Spread your Wings ..."
Nach einer kleinen Durststrecke am Vormittag, belebte es sich gegen Mittag spürbar auf dem Platz und die Chipmunk begann ihre Turn-Arounds.
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Kleines Chipmunk-Special, so ging es den ganzen Rest des Tages
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Und mal etwas anderes: ein Motorsegler vom Typ Stemme S10 VT Dreamglider (D-KGHM). Die Spannweite misst 23 m und die Version VT ist mit einem Turbolader ausgerüstet. Der Verstellpropeller verschwindet beim Segelflug komplett in der Bugsektion. Auch ganz interessant: Der Prototyp der S10 machte 1986 seinen Erstflug in Braunschweig.
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Wie bereits angekündigt, die Bonanza wird uns in diesem Bericht noch ein wenig begleiten. Die N3738N überflog an diesem Tag zwar nur den Platz, ist aber durchaus auch erwähnenswert. Mit Baujahr 1947 und Seriennummer D-948 gehört sie mit zu den ersten Beech 35, die gebaut wurden.
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Eine Quax-Treffen ohne Stearman? Undenkbar! Die in Bienenfarm beheimatete gelbe N3972U war auch in der Luft unterwegs.
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Die filigranen Luftsportgeräte drehten ebenfalls ihre Runden um den Platz, so wie diese Ikarus C-42B, D-MXIY.
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Jetzt wird es exotisch. Ein Amphibienflugzeug mit Druckpropeller und Doppelleitwerk und außergewöhnlichem Design - ein Entwicklung aus Italien. Es ist eine SIAI Marchetti FN333 Riviera. Entworfen und gebaut wurde dieser Typ ursprünglich Anfang der 50er Jahre von dem italienischen Flugzeugbauer Fratelli Nardi. Von der Riviera wurden nur 26 Maschinen gebaut, eine davon ist die N918NS.
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Eigentlich ist sie immer dabei: die Bölkow 208 Junior. Die D-EJLU gehört zum Bestand der Quax-Flieger.
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Wie versprochen, noch eine zeitlose Beech V35 Bonanza. Die D-EECO gehört zur späteren B-Version, die ab 1970 produziert wurde.
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Eine schöne, farbenfrohe Bellanca Citabria 7GCBC. Ursprünglich von Champion Aircraft 1964 auf den Markt gebracht, wurde die Firma 1970 von Bellanca übernommen, die die Citabria unter dem neuen Firmennamen weiter produziert hat. Die D-EGPH ist Baujahr 1975 und fiel somit in diese Periode. Übrigens ergibt der Name "Citabria" rückwärts gelesen das Wort "Airbatic", ein dezenter Hinweis darauf, dass dieser Typ kunstflugtauglich ist.
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So, kurze Verschnaufpause, bevor DAS Highlight des Tages seinen Auftritt haben sollte.
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Eine - nein - DIE Spartan Executive 7W! Das war eine Überraschung, war sie doch bereits am vorherigen Wochenende zu Besuch in Bienenfarm.
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Anfang März dieses Jahres kam die Spartan 7W Executive mit der Kennung NC17613 in Kisten verpackt aus den USA bei ihrem neuen Besitzer an, der Artdeco Aviation in Hannover. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mir der Hersteller Spartan und die 7W Executive eher nichts gesagt, vielleicht mal gehört, aber auf jeden Fall nicht präsent im Gedächtnis geblieben. Geschuldet mag dies dem Umstand sein, dass die Firma mit ihren wenigen Modellen in geringer Stückzahl in der Masse der vielen Hersteller in den USA in den 20er und 30er Jahren etwas unterging. Auch von der Executive wurden zwischen 1936 und 1940 insgesamt nur 36 Maschinen gebaut. Die NC17613 ist Baujahr 1937 und war die zwölfte Maschine, die produziert wurde.
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Bis zum Bau der Executive verließen eher kleine, konventionelle Flugzeuge die Werkhallen von Spartan. Mit der Executive wagte das Unternehmen den Sprung in die Klasse der modernen, einmotorigen, exklusiven Geschäftsreiseflugzeuge, zu der z. B. auch die Beech 17 Staggerwing gehörte. In Ganzmetallbauweise ausgeführt, stark motorisiert, mit Einziehfahrwerk ausgestattet und luxuriös eingerichtet, sollte sie die Geschäftsleute großer Unternehmen ansprechen. Zu den prominenten Eignern einer Spartan 7W Executive gehörte z. B. der amerikanische Milliardär Howard Hughes.
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Der luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor vom Typ Pratt & Whitney R-985-AN3 leistet 450 PS und verhilft der Maschine zu einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 410 km/h, die Reisegeschwindigkeit liegt bei ca. 350 km/h.
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Die NC17613 ist die einzige Maschine dieses Typs, die in Deutschland fliegt. Und ihre bisherigen Aktivitäten lassen hoffen, dass man sie Zukunft öfter sehen wird.
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Über sie muss man eigentlich nicht mehr viel sagen: Die Focke-Wulf Stieglitz hatte 1932 ihren Erstflug. Bei der D-ENAY der Quaxe handelt es sich um eine Focke-Wulf Fw 44 J, Baujahr 1940. Die "J" war die letzte in Serie gebaute Version und wurde mit einem 7-Zylinder-Sternmotor vom Typ Siemens-Halske Sh 14 A4 ausgerüstet, der 160 PS leistet. Die D-ENAY repräsentiert heute ein schön restauriertes Stück heimischer Luftfahrtgeschichte und ist, nebenbei, ein tolles Fotomotiv für alle Oldtimer-Freunde.
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Diese schöne Piper PA-16 Clipper, N5780H, wurde 1949 gebaut. Nur 726 Maschinen verließen die Piper-Werkhallen, dementsprechend selten ist sie heute anzutreffen.
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Als ich sie 2020 das erste Mal in Bienenfarm gesehen habe, war sie noch namenlos.
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Die Wurzeln der Klemm 107 reichen bis ins Jahr 1938 zurück, aber erst in den 50er Jahren wurde sie in nennenswerter Stückzahl produziert. Aus dieser Zeit stammt auch die vereinseigene Klemm 107 B, D-EJUK.
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So, und nun die letzte V-Tail-Bonanza für heute (versprochen!). Bei der D-EARM handelt es sich um eine Beech F35 Bonanza, Baujahr 1955. Bemerkenswert sind die Tip-Tanks an den Tragflächen.
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Diese Zlin Z-326 hatte ich schon einmal im letzten Jahr beim Ostblock Fly-In vor der Linse. Dort zeigte sie ein schönes Kunstflug-Display. Die D-ERIO ist Baujahr 1963 und war dieses Mal wohl "nur" zu Besuch da.
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Abflug nach Hause.
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Die zweite Citabria des Tages, genauer gesagt, eine Champion 7ECA Citabria. Die D-ESUL ist Baujahr 1964 und gehört somit zu den ersten Maschinen, die noch von der ursprünglichen Firma Champion Aircraft produziert worden sind. Später wurden sie durch Firmenübernahmen von Bellanca und American Champion gebaut und unter deren Namen vertrieben.
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Zum Abend hin wurde dann auch noch F-AZQQ startklar gemacht, die in den Farben der Schweizer Luftwaffe zu sehen ist. Die Pilatus P-3 wurde Mitte der 50er Jahre gebaut und diente als militärisches Schulflugzeug. Die Schweizer Luftwaffe betrieb insgesamt 60 Maschinen dieses Typs.
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Nachdem die Spartan ihre Heimreise in Richtung Westen angetreten hat, wurde es auch für uns langsam Zeit für die zweistündige Rückfahrt.
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Auch wenn wir die Hoffnung hatten, dass das schöne Wetter noch ein paar mehr fliegende Gäste nach Bienenfarm locken würde, so war es doch ein erfolgreicher Saisonauftakt für unsere Spottertouren. Neben dem Highlight in Form der Spartan, haben wir wieder eine Menge schöner Flugzeugbilder vom Ausmotten mit nach Hause genommen.

Abschließen möchte ich den kleinen Bericht vom Ausmotten mit den besten Wünschen an die aktiven Quaxe für eine erfolgreiche Flugsaison 2022!

Diese und mehr Bilder unter: Ubi63 - Quax-Flieger Ausmotten 2022


Ausmotten Rückblicke:

- LCBS - Quax-Ausmotten 2019 in Bienenfarm

- LCBS - Quax-Ausmotten 2019 in Bienenfarm (der Donnerstag)

- LCBS - Quax-Ausmotten 2018 in Bienenfarm

- LCBS - Quax Ausmotten 2018 in Bienenfarm

- LCBS - Bei den Quax-Fliegern auf der Bienenfarm (Ausmotten 2016)


Mehr Berichte zu Flugveranstaltungen der Quaxe und anderen Luftfahrt-Events:

- LCBS-Magazin - Inhaltsverzeichnis Berichte
Gruß Uwe :hi:


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Re: [Bericht] Quax-Ausmotten 2022 in Bienenfarm

Beitrag von Karsten » Mi 4. Mai 2022, 21:58

:good: Schön!

Spartan habe ich so bisher auch noch nirgends gesehen.

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Re: [Bericht] Quax-Ausmotten 2022 in Bienenfarm

Beitrag von Swen » Fr 6. Mai 2022, 15:32

Sind wieder einige Schätze dabei. Echt cool! Danke für die Mühe.
Bis denn der Swen

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