[Artikel] Klein, aber oho! - Colomban Cri-Cri

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[Artikel] Klein, aber oho! - Colomban Cri-Cri

Beitrag von Uwe » Sa 6. Jun 2015, 22:51

Kategorie: Flugzeuge mit Geschichte(n)

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Colomban MC-15 Cri-Cri

Warum auch immer der Beiname dieses Flugzeuges, Cri-Cri*, mit „Grille“ übersetzt wurde - am Klang ihrer beiden doch relativ geräuschintensiven 15 PS-Motoren kann es nicht gelegen haben. Eher ist er wohl den Abmessungen dieses Flugzeugs geschuldet, denn die Colomban Cri-Cri ist das kleinste und wohl auch ökonomischste zweimotorige Flugzeug der Welt.

Die Betonung liegt dabei auf „Flugzeug“. Denn trotz ihrer geringen Maße und Gewichte handelt es sich bei der Cri-Cri nicht um ein Luftsportgerät (Ultraleichtflugzeug), sondern ist in Deutschland zulassungsmäßig der Kategorie „mehrmotorige Flugzeug bis 2 Tonnen Höchstabfluggewicht“ zugeordnet. "Klassenkameraden" sind Flugzeuge wie die Diamond DA 42 oder die Piper PA-34. Mit ihrem maximalen Abfluggewicht von ca. 170 Kg ist sie allerdings von der Gewichtsgrenze von 2 Tonnen meilenweit entfernt. Ohne Piloten in der „maßgeschneiderten“ Kabine könnte man sie aufgrund der Größe auch für ein Modellflugzeug halten.

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Größenvergleich zum Airbus A320 (bei der Größe der Cockpitseitenscheibe kann sie durchaus mithalten)

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Die Überlegungen zur Entwicklung dieses außergewöhnlichen Flugzeugs entstanden im Rahmen eines Forschungsprojekts des Ingenieurs Michel Colomban in den 60er Jahren. Ursprünglich war sie als einmotoriges Flugzeug geplant, das von einem 15-kW-Motor angetrieben werden sollte. Aufgrund des Fehlens eines geeigneten Motors wurde der Entwurf auf ein zweimotoriges Flugzeug umgestellt, bei dem nun zwei 7-kW-Kettensägenmotoren zum Einsatz kommen sollten.

Am 19.07.1973 fand der erfolgreiche Jungfernflug des Prototypen der Cri-Cri im französischen Guyancourt statt. Am Steuerknüppel saß ein ehemaliger Kampfpilot [sic!]. Mit einem Augenzwinkern lässt sich vermuten, dass er aber eher wegen seiner großen fliegerischen Erfahrung und nicht wegen seines Mutes für die Tests dieses fragil wirkenden Flugzeuges ausgewählt wurde. Die erste Version bekam die Bezeichnung MC-10.

Aufbauend auf die MC-10 wurde die Cri-Cri weiterentwickelt und Anfang der 80er Jahre kam die Nachfolgeversion MC-15 auf den Markt. Diese Version hat u. a. eine stärkere Motorisierung in Form von zwei 11-kW-Motoren (15 PS). Im Jahr 2010 entstand eine Version mit vier Elektromotoren, die zwei Zug- und Druckpropeller antrieben. Diese Version wurde aufgrund ihrer niedrigen Emissionswerte beim Schadstoffausstoß und der Lärmentwicklung unter dem Namen „Green-Cri-Cri“ bekannt. Sowohl die kolbengetriebene wie auch die Elektro-Version der CrCri sind kunstflugtauglich (max. Lastvielfaches +4,5 g, −2,5 g).

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Maßgeschneiderte Kabine

Auch in Braunschweig und Umgebung hatten wir in den letzten Jahren regelmäßig Besuch von einer Cri-Cri, der D-GLUZ. Neben dem Auftreten vorwiegend in der Sommerzeit verbindet diese Maschine mit ihrem tierischen Namensvetter vor allem, dass man sie sehr gut hört, aber nur sehr schlecht sieht. Also: Augen auf beim Flugplatzbesuch, um dieses bemerkenswerte Flugzeug nicht zu verpassen!

Die Cri-Cri (MC-15) in Zahlen:
• Plätze: 1 (Pilot)
• Länge: 3,9 m
• Spannweite: 4,9 m
• Flügelfläche: 3,1 m2
• Lehrgewicht: 78 kg
• max. Startgewicht: 170 kg
• Antrieb: 2 × JPX PUL 212 Einzylinder-Kolbenmotoren mit je 11 kW (15 PS)
• Propeller: 2x2-Blatt-Propeller
• Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
• Reisegeschwindigkeit: 185 km/h
• Startstrecke: 120 m
• Reichweite: 300 km
• Dienstgipfelhöhe: 4.500 m
• Steigrate: 6,6 m/s
• Flächenbelastung: 55 kg/m2


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D-GLUZ auf dem Flugplatzfest in Wilsche


Weitere Informationen (Wikipedia)

Die Cri-Cri aus der Sicht eines Piloten (Artikel englisch)

Die Cri-Cri in der LCBS-Datenbank

* nach einer der oben aufgeführten Quellen war „Cri-Cri“ der Kosename der Tochter des Konstrukteurs Michel Colomban.
Gruß Uwe :hi:


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