[Artikel] Mit der Nase im Wind – die Boeing Stearman

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[Artikel] Mit der Nase im Wind – die Boeing Stearman

Beitrag von Uwe » Di 12. Mai 2015, 22:26

Kategorie: Flugzeuge mit Geschichte(n)

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Ready for Take-Off

Sich in einem offenen Cockpit den Wind um die Nase wehen lassen und gemütlich durch die Luft fliegen, nur begleitet vom Rauschen des Fahrtwindes und dem Brummen des Motors. So stellen sich viele den ursprünglichen Traum vom Fliegen vor. Piloten in aller Welt verwirklichen sich diesen Traum mit einer Boeing Stearman, diesem wunderschönen und unverwüstlichen Doppeldecker aus den 30er Jahren, der auch heute noch auf fast jedem Flugplatzfest der Welt zu sehen ist.

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Start bei typischem Stearman-Wetter ...

1934 entwickelte und baute der Konstrukteur Lloyd Stearman den Prototypen des Schulflugzeuges für das US Army Air Corps (USAAC) innerhalb von 60 Tagen. Die Boeing Company übernahm die Stearman Aircraft Company im gleichen Jahr, wodurch sich die Herstellerbezeichnung für die Maschine entsprechend änderte. Die Maschine war als Doppeldecker mit gestaffelten Tragflächen ausgelegt, die mit N-Streben verbunden wurden. Das einstielige Tragwerk war aus Holz mit Stoffbespannung gefertigt, während der Rumpf als ebenfalls weitestgehend mit Stoff bespanntes Stahlrohrgerüst gebaut wurde. Nur die unteren Tragflächen waren mit Querrudern versehen.

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Flightline

Bereits 1934 bestellte die US Navy die ersten Stearmans als Basistrainer für die Anfängerschulung. Diese Maschinen erhielten die Bezeichnung NS1 (Model 73) und waren mit einem Wright-Sternmotor ausgerüstet. Aufgrund der auffallend gelben Lackierung der Trainingsflugzeuge und der „Flugkünste“ der Flugschüler bekamen sie schnell den Beinamen „yellow peril“ (gelbe Gefahr). Später kam die verbesserte Version N2S bei der Navy zum Einsatz. Das US Army Air Corps bezog seine ersten Schulmaschinen im Jahr 1936. Hier wurden sie je nach Motorausstattung unter der Bezeichnung PT-13 (Lycoming), PT-17 (Continental) oder PT-18 (Jacobs) eingesetzt. Die Leistung der Triebwerke lag bei 220 PS. Werkseitig liefen sie alle unter Bezeichnung Model 75. Etliche Maschinen wurden ins Ausland exportiert, u. a. nach Kanada (PT-27), China und verschiedene südamerikanische Staaten. In Kanada erhielten die Stearmans den Beinamen „Kaydet“, der heute häufig noch synonym für alle Maschinen verwendet wird. Die Gesamtproduktion über alle Versionen lag bis zum Fertigungsende 1945 bei ca. 8.500 Exemplaren.

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Boeing Stearman N2S-3


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"Yellow Peril" ...


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... aber die Stearmans erscheinen oft auch in anderen auffälligen bunten Farben

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Schulungsmaschinen ausgemustert und für zivile Zwecke umgerüstet. Allein ca. 2.100 Flugzeuge wurden als Sprühflugzeuge für die Landwirtschaft eingesetzt und entsprechend modifiziert. Dieser Umstand hat wesentlich dazu beigetragen, dass auch sehr viele Exemplare dieses imposanten Doppeldeckers die Nachkriegsjahre überlebten und heute von privaten Nutzern weiter betrieben werden. Dabei wurden viele Maschinen von den ursprünglichen 220-PS-Motoren auf stärkere Pratt & Whitney Motoren mit bis zu 450 PS umgerüstet. In dieser Verbindung erhielten diese Maschinen in der Regel auch eine Verkleidung des Sternmotors, wogegen die ursprünglichen Versionen die ganze Schönheit ihrer sieben Zylinder zeigen. Zusätzlich wurden einige Stearmans auch mit vier Querrudern anstatt der standardmäßigen zwei ausgerüstet. Diese Versionen werden häufig für den Kunstflug eingesetzt.

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Diese Boeing Stearman VN2S-2 ist mit einem 300 PS Motor ausgerüstet, die Räder sind verkleidet




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Blick auf den 7-Zylinder-Sternmotor


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Blick in das hintere Cockpit einer Stearman. Gut zu erkennen: Stahlrohrrahmen und Stoffbespannung.


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Blick ins vordere Cockpit

Technische Daten:
Spannweite: 9,80 m
Länge: 7,63 m
Höhe: 2,80
Leistung: 220 PS
Höchstgeschwindigkeit: 200km/h
Leergewicht: 880 kg
Max. Startgewicht: 1.230 kg
Reichweite: 480 km

Die Standard-Versionen der Boeing Stearman
US Army Air Corps
PT-13: Lycoming R-680-5 (215 HP)
PT-13A: Lycoming R-680-7, verbesserte Instrumentierung (220 HP)
PT-13B: Lycoming R-680-11
PT-13C: zusätzliche Instrumentierung für Nachtflug
PT-13D: Lycoming R-680-17
PT-17: Continental R-670-5
PT-17A: Blindflugausrüstung
PT-17B: landwirtschaftliche Sprühanlage
PT-18: Jacobs R-755-7
PT-18A: Blindflugausrüstung
PT-27: Exportversion nach Kanada, Winterausstattung

US Navy

N2S-1: Continental R-670-14
N2S-2: Lycoming R-680-8
N2S-3: Continental R-670-4
N2S-4: Continental R-670-5
N2S-5: Lycoming R-680-17



Mehr Infos: The yellow peril

Die Boeing-Stearman in der LCBS-Datenbank.
Gruß Uwe :hi:


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