[Artikel] Cessna Einmots - die VW-Käfer der Zivil-Luftfahrt

Artikel und Berichte findet man hier. Jedes LCBS Mitglied kann einen Artikel oder Bericht schreiben.
Forumsregeln
Forumsregeln
Hier findest Du spezielle Themen von uns rund um die Luftfahrt, den Flughafen und den LCBS mit folgenden Schwerpunkten:

- Allgemeine Luftfahrt / Airlines
- Flughafen / Institute / Firmen / Vereine am BWE
- Flugzeuge mit Geschichte(n) / Typengschichten
- LCBS
- Veranstaltungen / Reiseberichte

Falls ihr Anregungen oder weitere Informationen habt, meldet euch über unser Kontaktformular oder schreibt einfach den Ersteller des Artikels per Privater Nachricht an.
Gesperrt
Benutzeravatar
platzrundendreher
Team
Beiträge: 1381
Registriert: Mi 24. Jun 2009, 09:50
Wohnort: Salzgitter-Lebenstedt
Hat sich bedankt: 7 Mal

[Artikel] Cessna Einmots - die VW-Käfer der Zivil-Luftfahrt

Beitrag von platzrundendreher » Di 2. Dez 2014, 14:40

Kategorie: Typengeschichte

Einleitung

Der Begriff „Cessna“ ist im Volksmund schon ein Synonym für einmotorige Leichtflugzeuge geworden, ähnlich wie die Begriffe „Zeppelin“ für Luftschiffe oder „Tempo“ für Papiertaschentücher. In Fachkreisen will man da natürlich genauer unterscheiden und ist schon etwas beleidigt, wenn sein Flugzeug pauschal „Cessna“ genannt wird.

Die einmotorigen Modelle erfreuen sich größter Beliebtheit unter den Piloten und Flugschulen, da sie gutmütige Flugeigenschaften und weitreichende Einsatzmöglichkeiten bieten.
So werden sie neben der Pilotenausbildung z.B. auch als Lufttaxi, zur Hagelbekämpfung, zum Absetzen von Fallschirmspringern und auch als Reiseflugzeug von kleinen Familien benutzt.
Der Einstiegspreis für eine C-140 betrug 1947 übrigens 3495 US-Dollar. Somit ist der Vergleich zum VW Käfer nicht abwegig.

Hier möchte ich einige Flugzeuge der Cessna-Erfolgsstory zeigen – vom „Urahn“ bis zum aktuellen Modell . Die hier behandelten Cessnas der "100er Serie" sind allesamt Schulterdecker, das heißt, die Tragflächen sind am oberen Teil der Flugzeugzelle angebracht. Ebenso sind die Flugzeuge größtenteils oder vollständig in Metallbauweise konstruiert.
Dem unbedarften Beobachter werden die Unterschiede vorerst nicht aufgefallen sein, dennoch gibt es eine große Bandbreite an Variationen, die nicht nur unter der Motorhaube zu finden sind.


Die Zweisitzer: Cessna 140, 150, 152

1945 war das Geburtsjahr für Cessnas Erfolgsserie. Die Flugzeuge entstanden damals
sämtlich als Spornradversionen, wie diese C-140:


Bild

Als Nachfolger der C-140 wurde 1957 das Modell C-150 entwickelt.
Man kann einen direkten Unterschied im Seitenleitwerk erkennen, aus dem die Rundungen
verschwanden. Auch die Doppelabstrebung der Tragflächen wurde geändert. Etwas später
wurde das Bugrad eingeführt und der Rumpf wurde hinten schmaler, damit eine Heckscheibe
eingefügt werden konnte.


Bild


1977 wurde die C-150 durch die C-152 abgelöst. Unterschiede sind kaum noch zu erkennen
und sind eher in der Technik zu finden. Die Produktion der letzten Version C-152 endete 1985.
Insgesamt sollen 31.533 Exemplare der C-150/152 gebaut worden sein.


Bild




Die Viersitzer: Cessna 170, 172, 175, 177, 180, 182

1948 erschien die C-170, die eine größere und leistungsstärkere Version der C-140 darstellte.
Vor allem konnten jetzt vier Personen gemeinsam fliegen.


Bild


Auch hier erfolgte der Wechsel zum Bugradfahrwerk, als 1956 die C-172 als Nachfolger
vorgestellt wurde. Etwas später erfolgte auch der Wechsel zur Heckscheibe. Als Besonderheit
ist hier ein Einziehfahrwerk in Aktion zu sehen. Das Modell 172 ist eines der meistgebauten
Flugzeuge der Welt mit angeblich mehr als 60.000 produzierten Exemplaren.


Bild


Die C-175 wurde entworfen, um die Lücke zwischen der C-172 und C-182 zu füllen. Sie wurde
nur von 1958 bis 1962 in 2.106 Exemplaren gefertigt. Das markante Erscheinungsmerkmal ist der
durchgängige Rumpf ohne Heckscheibe.


Bild


Mit der C-177 wurde das Design des Flugzeugentwurfs aufgeräumt. Markant sind hier die
fehlenden Tragflächenstreben, die flache Frontscheibe und das stärker gepfeilte Seitenleitwerk.
Aber auch dieser Entwurf wurde - u.a. aufgrund des hohen Preises - kein Verkaufsschlager.
Es wurden zwischen 1967 und 1978 etwa 4065 Flugzeuge gefertigt.


Bild

Die C-180 war im wesentlichen eine leistungsstärkere Version der C-170 mit leichten
Änderungen am Flugwerk. Sie wurde von 1956 bis 1981 in 6.207 Exemplaren gefertigt.
Gern wurde sie mit Schwimmern auch als Wasserflugzeug eingesetzt. In ihr konnten bis zu sechs
Personen Platz finden.


[C-180 ohne Foto]

Das Modell C-182 wurde wie zu erwarten aus der C-180 weiterentwickelt. Die C-182 ist
im Grunde eine stärker motorisierte Version der C-172. Augenscheinliche Unterschiede gibt es
kaum, allerdings bietet die Form der hinteren Fenster einen Ansatz zur schnellen Differenzierung.


Bild




Der Sternmotor: Cessna 190/195

Zwischen 1947 und 1954 hergestellt, waren diese Flugzeuge Cessnas einzige
Nachkriegsflugzeuge, die mit einem Sternmotor angetrieben wurden. Als vollständige
Aluminiumkonstruktion und ohne Tragflächenstreben konstruiert, versuchte Cessna dieses
Modell im Geschäftsreiseverkehr unter dem Namen "Businessliner" zu etablieren. Der hohe
Beschaffungspreis verhinderte unter anderem den Verkaufserfolg - nur etwa 1.180 Exemplare
fanden einen Käufer.


Bild

Die Produktion in Europa / Reims Cessna

Um den europäischen Markt ortsnah bedienen zu können, wurde 1960 ein Abkommen mit der Firma "Reims Aviation" getroffen. Diese fertigte in Frankreich fortan Lizenzbauten, die man teilweise am Schriftzug am Randbogen der Tragfläche oder am Rumpf erkennen kann. Viele Flugzeuge bekamen mittlerweile im Rahmen einer Überholung einen neuen Lack, so dass der Schriftzug leider verschwand.

Cessna C-172 der TU Braunschweig mit dem "Reims/Cessna"-Schriftzug am Ende der Tragfläche

Bild



Gönnen wir uns noch einen Blick ins Cockpit. Die Instrumentierung einer C-172 besteht aus dem klassischen "Uhrenladen".
Zweites Bild: Nachtbeleuchtung bei einer Landung in Braunschweig


Bild
Bild

Neuflugzeuge können bereits mit einem "Glascockpit" bestellt werden. Hier ein Garmin G1000 EFIS:

Bild


Mit Motoren der Hersteller Lycoming oder Continental in unterschiedlichen Leistungsklassen ausgestattet, liegt der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch einer viersitzigen C-172 pro Flugstunde bei etwa 33 Litern.
Somit muss der Pilot zwischen 50€ (Super Bleifrei) und 100€ (Avgas) - je nachdem, für welchen Kraftstoff der jeweilige Motor zugelassen ist – stündlich für den Flugspaß aufbringen.

Zur Kostenminimierung können mittlerweile auch verbrauchsärmere Flugmotoren nachgerüstet werden, was aber eine Änderung an der Flugzeugzelle zur Folge hat. So hat die Cessna 150 der „Interessengemeinschaft Flugtechnik e.V.“ einen „Rotax 912 S3“ bekommen. Die Flugzeugnase wurde länger, da der neue Motor leichter als ist als das Original. Somit musste er weiter vorn positioniert werden, damit der Schwerpunkt wieder stimmt.

Bild


Mittlerweile geht der Trend über zu wirtschaftlicheren Flugzeugmustern, die Cessnas verlieren aber aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Robustheit nicht ihre Existenzberechtigung.

Fotos zu den besprochenen Cessnas in der LCBS-Bilderdatenbank:
C-150 F-150
C-152 F-152
C-170
C-172 F-172
C-182 F-182
C-195


Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Verbindlichkeit.

Gesperrt