Für das Anfliegen von Helgoland sind per NfL (also verbindlich) 100 Stunden Erfahrung als PIC gefordert. Wenn man in den 100 Stunden einen großen Anteil an Starts/Landungen, ausreichend Erfahrung mit Pisten kürzer als 600 Meter und Übung mit starkem Seitenwind und mit Abflugmassen nahe MTOW hat, sollte das auch reichen. Wenn man in den 100 Stunden nur große Strecken geflogen ist (mit geringem Platzrundenanteil) und womöglich an einem Platz beheimatet ist mit mehr als 1000 Metern Piste, dann sollte man das lieber lassen, auch wenn die formalen Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Strecke über Wasser ist ausreichend lang, daß eine gewisse Zeit lang kein Festland im Gleitbereich des Flugzeugs liegt. Man kann ja nicht beliebig hoch fliegen. Jedem, der diese Strecke mit einer einmotorigen Maschine zurücklegt, muß klar sein, daß man bei einem Motorausfall automatisch naß wird. Luftfahrtzugelassene Schwimmwesten (Ablaufdatum!) für alle Sitzplätze und eine Einweisung sind deshalb vorgeschrieben. Damit möchte ich nicht Panik verbreiten (ein Motorausfall ist über Wasser genauso unwahrscheinlich wie über Land), jedoch sollten die Passagiere immer über das Risiko aufgeklärt werden und ihre eigene Entscheidung treffen.
Das schwierige an Helgoland sind die Windverhältnisse, die sich schnell ändern können. Windstärke und Böen sind in der Regel deutlich heftiger als auf dem Festland. Übung mit Seitenwindlandungen auf dem geflogenen Muster halte ich für das wichtigste.
Die Landung selbst ist kein Problem. Wenn man Ziellandungen beherrscht und definiert am Anfang der Piste aufsetzen kann, spielt es keine große Rolle, ob man 480 Meter oder 2500 Meter vor sich hat. Die Landestrecken der Echo-Klasse sind nicht sooo wahnsinnig groß. Für die Entscheidung zum Durchstarten kann man sich natürlich nicht so viel Zeit lassen wie in Braunschweig, das ist klar.
Beim Start muß man halt tatsächlich mal ordentlich anhand des Flughandbuches rechnen, mit allen Faktoren. Nach dem Ende der Piste kommt gleich das Wasser. Wenn die Maschine vollbesetzt in 480 Metern sicher starten soll, dann muß sie schon ordentlich motorisiert sein. Es nützt einem nämlich nichts, wenn die Räder bei 479 Metern abheben, weil man so nicht per Augenmaß entscheiden kann, ob es reicht oder nicht. Ein rechtzeitiger Startabbruch bei "reicht doch nicht" wäre dann nicht möglich. Deshalb sollte man auch vorschriftsgemäß die Startstrecke über ein 50-Fuß-Hindernis nehmen und nicht - wie viele das bei Hindernisfreiheit im Abflug machen - die Startrollstrecke plus irgendeinen selbst geschätzten Zuschlag. Hier hilft einem der Wind dann wieder, der bei der Landung gestört hat. Mit einer kräftigen Gegenwindkomponente verkürzt sich die Startstrecke doch erheblich.
Navigatorisch ist Helgoland äußerst einfach, da auf der Insel praktischerweiwse eine VOR-Station steht.
Als ich zuletzt geschaut habe, gab es noch eine Flugplanpflicht für Flüge von/nach Helgoland. Könnte aber sein, daß die mittlerweile aufgehoben ist.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall, das Päckchen mit den Erdankern und Seilen zum Sichern des Fliegers einzupacken
