Nachtrag zum Wochenende..
Als Himmelsstürmer über Braunschweig
Mehr als 30 Mal startet die Cessna mit Dieselmotor der Interessengemeinschaft Flugtechnik beim Rundflugtag mit Gästen
Von Karsten Mentasti
Start frei für Delta - Echo Foxtrott Uniform Kilo. Aus dem Stand beschleunigt die blau-weiße Cessna 172 mit der Abkürzung D-EFUK auf 60 Knoten, dann zieht Götz Ulrich die Maschine sanft in die Luft - angetrieben von einem leisen Diesel-Motor.
Gut 30 Mal starteten am Wochenende zwei Maschinen des Vereins IG Flugtechnik in den Himmel über Braunschweig: Mit an Bord neben dem Piloten jeweils drei Fluggäste. Nach einer Unterbrechung hatte der Klub am Samstag und Sonntag wieder einmal zu einem Rundflugtag eingeladen - bei dem Wetter ein willkommenes Ausflugsziel für Braunschweiger Gelegenheits-Himmelsstürmer.
Zurück in die Luft: Der Bienroder Kiesteich bleibt nach dem Start rechts liegen, der Flug verläuft zunächst geradeaus. Erst über dem Industriegebiet Hansestraße dreht Ulrich die Maschine gen Süden und in Richtung Innenstadt. "Das ist vorgeschrieben, um die Anwohner der an den Flugplatz angrenzenden Stadtteile weniger mit Lärm zu belasten", erläutert der Pilot.
Burgplatz und Schlossarkaden aus der Luft zu sehen, das wünschen sich viele Fluggäste. Manche möchten auch gern einmal über dem Stadion kreisen. Von oben sind die Kreidezeichnungen auf dem Rasen für das Football-Halbfinalspiel der Lions gut zu erkennen.
Pilot Götz Ulrich erfüllt gern die Wünsche der Mitflieger. Einmal das eigene Haus, die eigene Wohnung aus der Vogelperspektive entdecken. Oder eine Runde über dem Südsee drehen - ein Ausflug in der dritten Dimension ist nun mal nicht alltäglich.
"Am Wochenende sind Flüge über die City möglich. Von Montag bis Freitag dürfen wir Privatflieger einige Bereiche nur durchqueren, wenn wir uns im Landeanflug befinden", erklärt der 42-Jährige. Sicher lenkt er die Maschine mit umgerechnet 170 Stundenkilometern über die Stadt, während die Fluggäste neugierig-interessiert aus dem Fenster schauen.
Andere suchen das Fachgespräch mit dem Piloten. Wann werden Höhen- und Seitenruder benutzt, wozu sind welche Anzeigen da?
Götz Ulrich und die anderen Piloten der Interessengemeinschaft Flugtechnik haben während der Rundflüge viele Laien neben und hinter sich sitzen. Andere, wie Matthias Woyde (26) und sein Vater Hartmut (61), sind zumindest Flug-Theoretiker, haben sich manches angelesen. Besonders die Unterschiede zu Segelfliegern interessieren Matthias Woyde.
Götz Ulrich setzt zur scharfen Linkskurve an. Das geht langsamer als bei einem Segelflugzeug. Dort muss der Pilot hart am Wind fliegen, um die Thermik auszunutzen. Fluggäste reagieren bei solchen Manövern oft mit flauem Gefühl in der Magengegend. In der Motor getriebenen Cessna ist das nicht der Fall.
Trotzdem mutet es seltsam an, 600 Meter über den Häusern der Innenstadt im 45-Grad-Winkel die Richtung zu ändern. An den schrägen Blick auf Staatstheater und Theaterpark muss man sich erst gewöhnen.
Götz Ulrich zieht die Maschine wieder gerade, fliegt noch eine Runde über den Bahnhof. "Jetzt müssen wir schon wieder zurück", entscheidet er. Normalerweise hätte er einen Kopfhörer auf, um mit dem Tower auf dem Flughafen Braunschweig-Wolfsburg Kontakt zu halten. Um sich besser mit den Fluggästen unterhalten zu können, hat er aber auf Lautsprecher umgeschaltet.
"Auf dem Flughafen landen Fallschirmspringer", gibt der Mann vom Tower plötzlich durch. Beim Landesanflug muss der Pilot daher eine engere Kurve fliegen, um ihnen nicht in die Quere zu kommen. Außerdem soll er auf der Beton-Landebahn herunterkommen - nicht auf dem Rasen, befiehlt der Fluglotse.
"So müssen wir nach der Landung eine größere Runde fahren, um an den Ausgangspunkt zu kommen", bedauert Ulrich. "Auf der Rasenbahn hätten wir gleich abbiegen können."
Fluggast Hartmut Woyde weiß, dass die Rasen-Landebahn in Waggum einen ausgezeichneten Ruf genießt. "Sie ist sehr gut gepflegt, ganz eben", bestätigt der Pilot. Nach 17 Minuten ist die Cessna wieder gelandet, und die nächsten Ausflügler warten schon.
Kurz vor dem Start der Cessna 172: Nachdem drei Fluggäste eingestiegen sind, klettert auch Pilot Götz Ulrich in den Motorflieger.
Braunschweiger Zeitung, 24. September 2007, Braunschweig Lokal, Seite 13
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